Was ist systemisches Konsensieren - Das SK-Prinzip

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Was ist systemisches Konsensieren? 
Das SK-Prinzip. - www.sk-prinzip.net

Die Gruppe entwickelt möglichst viele Vorschläge und wählt dann jenen aus, der dem Konsens und damit dem Interessenausgleich am nächsten kommt. Das ist jener Vorschlag, der in der gesamten Gruppe die geringste Ablehnung und daher auch das geringste Konfliktpotenzial erzeugt.

Systemisches Konsensieren (SK) bezeichnet also einen Abstimmungsmodus, der den Vorschlag mit dem geringsten Gruppenwiderstand ermittelt. Das bedeutet:


- geringste Unzufriedenheit

- geringstes Konfliktpotenzial

- wird am leichtesten angenommen weil es

- dem Konsens am nächsten ist


Es geht dabei um ein anderes Mehrheitsprinzip, nämlich das der solidarischen Mehrheit. Es entstehen tragfähige Lösungen, die von der größtmöglichen solidarischen Mehrheit getragen werden und zwar:


- bei beliebig vielen Alternativen und

- bei beliebig vielen Akteuren


Das SK-Prinzip entwickelt ein sanftes Mehrheitsprinzip nach der Struktur: “ich bin bereit, diesen Lösungsvorschlag mitzutragen”.

Konsens ist das Fehlen von Ablehnung


Erfolgsmodell Gemeinschaftsbildung

Im Vergleich zu anderen Lebensformen, zeichnet sich der Mensch nicht durch besondere körperliche Fähigkeiten aus: wir können nicht fliegen, noch besonders schnell laufen und wir haben weder einen Panzer noch spitze Stacheln. Was wir aber haben ist ein leistungsfähiges Gehirn. Dennoch: würde man so intelligente Menschen wie Albert Einstein oder Stephen Hawkings alleine auf einer Insel aussetzen, so würden sie wahrscheinlich nicht überleben.

Die große Kraft der Menschheit ist die Gemeinschaftsleistung!

Genau deshalb brauchen wir ein Konzept, nach dem Gemeinschaftsentscheidungen einfach und zufrieden stellend getroffen werden. Wir dürfen nicht gegeneinander arbeiten!


Die Praxis

Es wird eine übergeordnete Fragestellung erarbeitet, die keine ja/nein-Frage sein soll. In etwa: “Wie werden wir im Rahmen der Besetzung unsere Essensversorgung organisieren”

In der ersten, s.g. kreativen Phase werden Lösungsvorschläge gesammelt. Das SK-Prinzip legt dabei Wert auf Vielfalt und Kreativität - es sollen möglichst viele Lösungen angedacht werden. Beim systemischen Konsensieren kann jeder und jede seinen/ihren Wunsch einbringen!

In der darauf folgenden Bewertungsphase wird von jeder Person jedem Lösungsvorschlag die gewünschte Anzahl an Widerstandspunkten (W-Punkten) zugeteilt. Dabei kann man von 0 (= kein Widerstand, diese Lösung kann ich mittragen) bis 10 (= starker Widerstand, das gefällt mir überhaupt nicht) sehr nuanciert abstimmen. Die Abstimmung erfolgt mit Punktevergabe auf Zetteln - d.h. die Stimme ist, außer man möchte dies ausdrücklich anders und notiert seinen Namen, anonym!

Schließlich werden die W-Punkte mit einem Computerprogramm zusammengerechnet und man erhält die Lösung, die am wenigsten Widerstand hervorruft.

Die Null-Lösung

Es hat sich auch bewährt, die so genannte “Null-Lösung” (= keine Veränderung, alles bleibt so wie es ist) als Lösungsvorschlag mit einzubringen. Am Ergebnis lässt sich dann leicht feststellen, welche Lösungen weniger Widerstand auslösen, als die Null-Lösung. Alle diese Lösungen sind gute Lösungen und können - wenn sie sich nicht widersprechen - sogar alle ausgeführt werden. Das heißt das SK-Prinzip liefert oft mehrere Lösungen, die alle umgesetzt werden können - das Problem wird viel differenzierter behandelt.

Das Machtparadoxon

Wer Macht auszuüben versucht, wird Widerstand ernten und ist damit beim systemischen Konsensieren zur Erfolglosigkeit verurteilt. Um Erfolg zu haben muss man seinen Vorschlag so gestalten, dass er auf möglichst wenig Widerstand stößt.

Das systemische Konsensieren handelt nach einem evolutionären Prinzip: es findet ständiger Fortschritt statt, jedoch ohne Revolution.

Es gibt keine Blockaden: wer alle Lösungen mit 10 bewertet, dessen Stimme geht unter. Auch wer beim Abstimmen nur einmal 0 und sonst immer 10 vergibt hilft “seiner/ihrer” Lösung damit nicht viel weiter. Die Erfahrung hat gezeigt, dass man am meisten mitbestimmen kann, wenn man ehrlich und differenziert bewertet.


Kritik an anderen Entscheidungsverfahren

Probleme des Mehrheitsprinzips

Nicht Gegeneinander ... sondern Meinungsvielfalt!

Bei einem Modell mit Mehrheitsentscheid kommt es sehr oft zur Herausbildung von zwei konträren Lösungsansätzen, über deren Umsetzung dann gestritten wird. Dabei sind jene Personen im Vorteil, die sich öfter und lauter zu Wort melden - deren Sichtweisen werden eher umgesetzt werden.

Es kann aber auch sein, dass man bei nicht durchwegs konträren Lösungswegen einem Teil des einen und einem Teil des anderen Vorschlags sehr zustimmt - man kann sich allerdings nur für die eine oder die andere Variante entschließen. 
Wer für eine Lösung stimmt, stimmt automatisch gegen die Alternative.

Wir müssen unsere Universitäten besetzen, weil das Mehrheitsprinzip ohne Massendruck taub gegen Wünsche ist!

Probleme des Konsensprinzips

Wenn jede und jeder Einzelne die Möglichkeit hat, eine Entscheidung selbst gegen eine absolute Mehrheit zu blockieren, weil sie/er die eigene Meinung nicht genügend berücksichtig fühlt, so führt dies oft zu unnötig langen und auszehrenden Diskussionen und schließlich oft zu Blockaden von Entscheidungen. Dazu kann man sich die momentane Situation im Wiener Audimax ins Gedächtnis rufen.

“Eine Diskussion ist eine Serie von Monologen, die sich wechselseitig störend unterbricht.”

Weitere Probleme sind:

- ein starker Gruppendruck, der selbst bei starkem Widerstandsgefühl verhindert, dass man ein Veto einlegt

- redegewandte, eloquente Personen sind im Vorteil, da sie sich eher trauen ihre Meinung zu äußern und diese auch adäquat präsentieren können.


Weitere Informationen

findet ihr auf:

http://www.sk-prinzip.net

und einen Vorschlag für die konkrete Anwendung in unseren Plena:

http://unsereuni.at/wiki/index.php/Plenum_2.0